31.10.2011, 14:31
Thema November 2011
Vom Reiz der vierten Jahreszeit:
Winterwunder im eigenen Garten

Winterzeit, schöne Zeit? Die Tage werden kürzer, die
Temperaturen sinken, es wird unwirtlich draußen, alles
versinkt in einem trostlosen Grau. Das ist allerdings nur
die eine Seite des Winters, denn nie ist die Luft so klar,
so klirrend und so rein wie im Winter. Die Abende sind
lang und behaglich. Die dunklen Morgenstunden sind
oft neblig, aber manchmal erblickt man auch das zarte
Rosé des Wintermorgenhimmels. Sternenklare Winter-
himmel sind umwerfend und man kann sich im Univer-
sum verlieren. Die Welt scheint sich im Winter lang-
samer zu drehen, Ruhe kehrt ein. Ein Spaziergang mit
Pudelmütze, Handschuhen, Schal, Stiefeln, einem
wärmenden Mantel und einem geschärften Blick führt
durch eine bizarre Winterlandschaft. Gehölze lassen
Strukturen und Formen erkennen, die sonst von den
Blättern verdeckt werden. In den Gärten, die von
Graubraun dominiert werden, fallen die Fruchtstände
von Sonnenhut (Rudbeckia) und Kugeldistel (Echinops
ritro) ins Auge. Die Winterheide (Erica carnea)
stellt ihre weißen, roten oder violetten Blüten wie
kleine Perlen zur Schau. Immergrüne und sommer-
grüne Gehölze, Stauden und Gräser stehen durch
Raureif, Nebel, Eis, Schnee oder tiefstehende Sonne
verwandelt da und geizen nicht mit ihren ganz besonderen Reizen.

Damit das Wintermärchen gelingt

Wer sein Wintermärchen vor der eigenen Haustür genießen möchte, der
muss bei der Gartenplanung schon fest den „Winteraspekt“, wie ihn die
Gartenplaner gerne nennen, im Blick haben. Eine faszinierende
Pflanzenwinterwelt bekommt nur der zu sehen, der vorher die
entsprechenden Pflanzenakteure ausgewählt hat. Die wahre Kunst
einer gelungenen Gartengestaltung besteht darin, einen Garten
anzulegen, der das ganze Jahr über attraktiv ist. Auf Nummer sicher
geht, wer sich hier fachmännische Hilfe aus dem Garten- und
Landschaftsbau holt. Die Experten fürs Grün kennen nicht nur Bäume,
Gehölze, Gräser, Stauden und Co., sondern können zugleich auch
Vorschläge z.B. für eine magische Illumination des Wintergartens oder
einen fachgerechten Rückschnitt machen.

Nix da einfach schnipp, schnapp und ab

Im Herbst wird oft vermeintlich Ordnung im Garten geschaffen und
erbarmungslos geschnitten und gestutzt. Dabei gibt es Stauden und
Gräser, die sich im Winter durch Raureif in glitzernde Eisskulpturen
verwandeln. Schneemützen sehen nicht nur auf immergrünen
Gehölzen hübsch aus, weiße Häubchen stehen auch den großen,
trockenen Blütenständen von Fetthennen und anderen spätblühenden
Stauden ausgezeichnet. Der Landschaftsgärtner weiß, wie´s richtig
geht. Es empfiehlt sich, einmal seine behutsame Hand beim
Rückschnitt genau zu beobachten.

Strukturstark

Immergrüne Gehölze bilden einen farblich ruhigen Hintergrund für
Gräser oder Stauden, die im Winter ihre ganz eigene Schönheit
entfalten. Mit eigenwilligen Naturlocken warten z.B. die Korkenzieher-
Weide (Salix matsudana ´Tortuosa´), die Korkenzieher-Hasel (Corylus
avellana ´Contarta´) oder die Korkenzieher-Akazie (Robinia
pseudoacacia ´Tortuosa´) auf. Ihre stark gedrehten Zweige werden
durch Raureif oder feinen Schnee zu fantastischen Kunstwerken
veredelt.
Auch benadelte Immergrüne tragen dazu bei, dass der Garten im Winter
nicht trostlos aussieht. Markant um Aufmerksamkeit heischen zum
Beispiel der nadelige Virginische Säulen-Wacholder (Juniperus
virginiana ´Skyrocket´) oder die Säulen-Eibe (Taxus baccata
´Fastigiata´).
Mit glänzend grünen Blättern, die am Rand häufig gezähnt sind,
besticht die Stechpalme (Ilex). Noch dazu tragen viele Ilex-Sorten in
Herbst und Winter auffallend rote Beeren, die wie Perlen auf den
Zweigen sitzen. Die meisten Ilex sind zweihäusig, das heißt es gibt
„Männchen“ und „Weibchen“. Aus diesem Grund sollte mindestens ein
männliches Exemplar gepflanzt werden, damit die weiblichen Pflanzen
sich auch tatsächlich mit den attraktiven Beeren schmücken. Die
Bestäubung der weiblichen Pflanzen erfolgt durch den Wind, der die
Pollen bis zu ca. 30 Kilometer transportieren kann. Die Befruchtung ist
deshalb nicht so sehr von der Nähe der männlichen Pflanze abhängig.
Sie könnten also auch – ganz uneigennützig versteht sich – ihrem
Nachbarn ein Ilex-Männchen zum Geburtstag schenken.
Farbecht
Zu den spektakulären Blütengehölzen, die sich mitten im Winter mit
Blüten in Gelb, Orange, Kupfer oder Rot schmücken, gehört sicherlich
die Zaubernuss (Hamamelis). Ihre Blüten sind frostbeständig und
duften sehr angenehm. Auch der Winter-Schneeball (Viburnum
bodnantense ´Dawn´) trägt, je nach Witterung und Standort, erste Blüten
schon früh im Winter an den blattlosen Zweigen, während die
Hauptblütezeit im März und April liegt. Die Knospen zeigen sich
zunächst in einem kräftigen Rosa, das immer heller wird, sobald sie
erblühen. Die Blüten stehen in endständigen Schirmrispen und duften
sehr stark nach Vanille. Der Winter-Schneeball ist ein optischer und
olfaktorischer Leckerbissen, der auf jeden Fall den Garten und nicht die
Hüften vergoldet. Wer fragt da noch nach Marzipanbrot?
BGL/PdM

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